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Fazit aus der interessanten Piwi- Wein Degustation des BdW’s im Bärenkeller Richterswil, 6.November 2021

Weine aus pilzwiderstandsfähigen Rebsorten treffen den Nerv der Zeit. Ihre Resistenz gegen

Pilzkrankheiten wie Echten und Falschen Mehltau lässt es zu, die notwendigen Pflanzenschutzmassnahmen

im Weinbau auf ein Minimum zu reduzieren. Besonders in der heutigen Zeit, in der Nachhaltigkeit auch im Weinbau

eine immer grössere Rolle spielt, sind die Vorteile der neuen, innovativen Rebsorten kaum von der Hand zu weisen.

Lange Zeit befanden sich die Sorten jedoch in einer Nische, wohl wegen der eigentümlichen Weine, die aus ihnen gekeltert wurden.

Die intensive, teils fast kitschige Aromatik, die diese oftmals kennzeichneten und die fehlenden Tanninstruktur bei Rotweinen dürften

daran schuld gewesen sein.

Heute sind nur 3% der Rebflächen mit Piwi- Sorten bestückt. Für die Züchtung bis zur Zulassung

einer neuen Sorte vergehen in der Regel 20 Jahre.Der Begriff Piwi-Sorten erscheint etwas holprig, deshalb zeichnet sich heute

der Wechsel zum Begriff «robuste Sorten» ab.

Am Degustationsnachmittag vom 6.November 2021, geleitet von Thierry Wins, Kellermeister AGROSCOP und Weinbauzentrum Wädenswil,

war die Mehrheit der Teilnehmenden überzeugt, dass mit der neuesten Generation der Piwi-Züchtungen die geschmacklichen Nachteile korrigiert wurden.

Zu den überzeugenden Piwi- Weinen, die degustiert wurden, gehörten: Weissweine:

Souvignier gris.; 1983 vom Staatlichen Weinbauinstitut Freiburg (D) aus Seyval blanc und Zähringer gezüchtet.

Mittlere Intensität mit leichten, reiffruchtigen Aromen von Orange und Melone mit feiner Säure.

Sauvignon soyhières: Eine 1990 von Silvia und Valentin Blattner im Schweizer Jura gezüchtete Sorte, die sich durch eine

hohe Krankheitsresistenz für Echten- sowie Falschen Mehltau auszeichnet. Die Sorte eignet sich gut für die Umkehrerziehung und ist somit weniger arbeitsintensiv. Im Wein findet man die fruchtigen Sauvignon-Noten von Holunderblüten und Passionsfrucht.

Rotweine:

Divico; 1997 von Agroscope Pully aus Gamaret und Bronner gezüchtet. Intensive Farbe; komplexes Bouquet mit fruchtigen, floralen und würzigen Noten.

Regent: Die Rebsorte Regent wurde im Jahr 1967 im pfälzischen Institut für Rebenzüchtung Geilweilerhof gezüchtet. Es handelt sich um eine Kreuzung der roten Chambourcin mit der weißen Diana, die ihrerseits als Kreuzung aus Silvaner und Müller-Thurgau entstanden ist. In der Nase würzig, im Gaumen fruchtig, erinnert der Regent an exotische Früchte.

Dank ihrer bemerkenswerten Qualität sind Weine aus pilzwiderstandsfähigen Rebsorten auf dem Weg in den anerkannten Mainstream.

HSt, Nov. 2021

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… der Bundesrat am 20. Mai 2020, im Zusammenhang mit dem Coronavirus eine «ausserordentliche finanzielle Unterstützung der Deklassierung von Wein mit kontrollierter Ursprungsbezeichnung zu Tafelwein» beschlossen hat. Den von Umsatzeinbussen geplagten Kellereien sollten CHF 10 Millionen zugutekommen.

Bis dato wurden von 144 Firmen schweizweit über 6 Mio Liter AOC- Weine deklassiert.

Die Kantone Wallis, Waadt und Genf erhalten zusammen CHF 8.6 Mio. Die übrigen Kantone teilen die restlichen CHF 1.4 Mio.

Diese Massnahme hilft, die grossen Lagerbestände zu reduzieren und Platz für den Jahrgang 2020 zu schaffen und mit ihm eine bessere Wertschöpfung zu erreichen.

Als Gegenleistung verlangt der Bund die Reduktion der kantonal festgelegten Höchsterträge. Beim Weisswein auf 1.2 kg/m2 und beim Rotwein auf 1.0 kg/m2.

Dazu der Artikel: 

Weinbau in der Schweiz: Früchte des Zorns

unter

https://www.zeit.de/2020/33/weinbau-schweiz-corona-krise-auslaendische-weine-eu-subvention

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…. Martin Wiederkehr, unser BdW- Mitglied (Bund der Weinkenner), neuer Präsident des BDW (Branchenverband Deutschschweizer Wein) geworden ist?

Auf den 1.April 2020 wählten die Delegierten des BDW in Wädenswil den 1964 in Dietikon geborene Martin Wiederkehr an die Verbandsspitze, als Nachfolger von Kaspar Wetli.

Als gelernter Winzer arbeitete er von 1991 bis 1998 an der Eidg. Forschungsanstalt in Wädenswil. Bis 2009 war er bei der August Egli AG in Zürich verpflichtet, anschliessend wechselte er zur Caves de Genève, wo er als CEO tätig war. Ab 2017 führte er die Weinkellerei Rutishauser. Im März 2020 hat er diese Aufgabe abgegeben.

Eine seiner ersten Aufgaben im BDW wird die Einstellung eines Nachfolgers des aktuellen Geschäftsführers, Robin Haug, sein.

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…. Degustationen im Internet durchgeführt werden?

Prisca und Andreas Schwarz, ein junges Winzerpaar aus Freienstein/ZH, kommuniziert mit seinen Kunden über Social Media und degustiert die neuen Weine. Prisca und Andreas Schwarz bieten ihren Followern ein Degupaket mit drei Weinen an, das die Kunden zuvor geliefert bekommen. Von zu Hause aus kann man den Degustationskommentaren folgen und sich auch ein eigenes Urteil bilden.

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…. «Digital Winery» auch vom WBZW (Weinbauzentrum Wädenswil) mitentwickelt wurde?

Als zentrale Lösung für den Informationsaustausch und die Zusammenarbeit in Weinbaubetrieben ermöglicht «Digital Winery» einen wichtigen Schritt in Richtung Digitalisierung. Die webbasierte Plattform «Digital Winery» die auch eine App für das Smartphone und Tablet umfasst, ist auf die Anforderungen des Weinbaus in der Schweiz zugeschnitten und deckt mit ihren Funktionen sämtliche Prozesse eines Weinbaubetriebes ab. Dazu gehören die datengeschützte Beriebsverwaltung, die Datenerfassung von Traubenproduktion, Weinkeller, Labor und Degustationen. Ein Thema, mit dem sich das WBZW intensiv auseinandergesetzt hat und wertvolles Expertenwissen zu «Digital Winery» beigesteuert hat.

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Welchen Piwi-Weinen eine Zukunft vorausgesagt wird?

In einem Interview mit der SZOW legt sich Martin Auer von der Rebschule Auer in Hallau auf folgende Reihenfolge beim Erfolg mit weissen Piwi- Sorten fest:

Johanniter, den man schon 30 Jahre kennt, dann Solaris, der ebenfalls in Fachkreisen bekannt ist. Es folgen Souvignier gris, Muscaris (beide Freiburger Piwi-Sorten) und Sauvignac (eine Neuzüchtung von Valentin Blatter), die sich im Aufholen befinden.

Bei den roten Piwi- Sorten gibt es keine grosse Auswahl. Beim bekannten Regent ist mit der Klimaveränderung die Resistenz ungenügend geworden. Der von Valentin Blatter neugezüchtete Cabernet Jura (mittlerweile sind in der Schweiz ca. 30 bis 40 ha angebaut) mit seinem Rosenduft ist sehr erfolgreich, was die agronomischen Eigenschaften anbelangt. Wie sich die Neuzüchtung Divico von der Agroscope, eine Gamaret Kreuzung, resistent gemacht mit dem Erbgut von Bonner, in Zukunft entwickelt, ist vielversprechend.

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…. der Markt eines der grössten Probleme schweizweit für die Weinbranche ist?

Martin Auer ist überzeugt, dass nach zwei grossen Ernten die Nachfrage zu klein ist und dass wenn kleinere oder grössere Kellereien die Ernte ihrer bisherigen Produzenten nicht mehr annehmen können, dies zu Stilllegung von Rebflächen führen kann. In Hallau im Blauburgunderland und in der Umgebung sind es vor allem Blauburgunderflächen, die stillgelegt oder allenfalls umgestockt werden sollen.  Im Kanton Schaffhausen mit 480ha Reben beläuft sich die Überproduktion auf 80 bis 100ha.

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…. die Müller-Thurgau Stiftung eine am 29.11.2019 gegründete Schweizer Stiftung mit Domizil in Wädenswil ist?

Die Stiftung bezweckt a) den Erhalt, die Förderung und Weiterentwicklung des kulturellen und intellektuellen Erbes von Professor Hermann Müller-Thurgau und seiner Nachfolger als Forscher und Ausbildner zur Mehrung des diesbezüglichen Wissens; b) die Förderung der Erforschung und Entwicklung von Spezialkulturen (beispielsweise Reben, Obst- und Gemüsearten) an Universitäten, Hochschulen und weiteren in der Lehre und Forschung tätigen Organisationen zu gesundheitsfördernden, ökologischen, erzieherischen, wissenschaftlichen und kulturellen Zwecken; c) in ihrem Kernbereich gemäss lit. a) und b) die Unterstützung von nicht-kommerziellen Projekten; d) in ihrem Kernbereich gemäss lit. a) und b) die Vermittlung von Wissen und Kenntnissen an die Öffentlichkeit.

Die Stiftung ist im Rahmen der Zweckbestimmung überwiegend in der Schweiz tätig, kann aber auch in Schwellen- und Entwicklungsländern tätig sein. Im Rahmen des Stiftungszwecks kann die Stiftung insbesondere in den Bereichen Agronomie, Pflanzenschutz, Soziales, Bildung, Gesundheit, Ökonomie und Technologie eigene Forschungsprojekte durchführen oder sich an Forschungsprojekten beteiligen bzw. dieselben durch Leistung finanzieller Beiträge unterstützen. Die Stiftung kann Aufgaben ganz oder teilweise durch Dritte ausführen lassen.

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